53 Tage Latschenhof – ein Résumé

Das Salzburgerland zeigte sich mir von seiner besten Seite. Das Wetter war fast ausschliesslich schön und die Gegend ist sehr schön. Auch mit hohen Bergen – gleich gegenüber des Latschenhofs ist das gewaltige Dachsteinmassiv und auch der Grossglockner als höchster Berg Österreichs ist nicht weit entfernt – aber alles in allem ist die Bergwelt sanfter als die Alpen, oftmals hügeliger, mit grossen und wunderbaren Almen. Zum Wandern gibt es unzählige Möglichkeiten.

Meine Wanderungen haben sich auf die Wege konzentriert, die sich direkt rund um den Latschenhof befinden. Den Hausberg, das Griessenkareck mit knapp 2000 MüM habe ich bereits erklommen sowie die Panoramawanderung des «Salzburger Gipfelspiels» erfolgreich absolviert und dabei durfte ich tolle Ausblicke in alle Himmelsrichtungen geniessen. Schlussendlich fragen ja auch immer wieder die Gäste nach Wandertipps und da bin ich froh, wenn ich Auskunft geben kann.

Aber auch zum Motorradfahren ist die Gegend wunderbar. Tolle Touren durfte ich erleben, die teils übers Salzburgerland hinausgehen. Meine Wege führten mich in die Steiermark, nach Kärnten und bis nach Ober- und Niederösterreich: der Sölkpass – einer der schönsten Pässe, die ich je gefahren bin und somit wurde der Pragelpass von meiner Nummer-1-Positon verbannt, Murau die Stadt mit der ältesten Bierbrauerei Österreichs und einem wunderbaren historischen Altstadtkern, die Nockalm Panoramastrasse die mit 52 Kurven, wunderschönen Aussichten im gleichnamigen Nationalpark und einer Mautgebühr von 18.50 Euro für ein Motorrad zu Buche schlug, der wildromantische Nationalpark Gesäuse bewacht von den felsigen Giganten der Hochtourengruppe und dem Buchsteinmassiv, der idyllische Phyrnpass, der kurvenreiche aber sanfte Hengstpass, die Stoderzinken Alpenstrasse die sich mit bis zu 15% Steigung, engen Spitzkehren und meistens ohne Leitplanken und im oberen Teil in die fast senkrecht abfallende Kaiserwand gebaut bis auf 2000 Meter hochschlängelt sowie auch die romantische Tauplitzalm-Alpenstrasse die sich von Bad Mitterndorf aus auf das grösste Seenhochplateau Europas schlängelt und ganz oben ein unvergleichliches Panorama freigibt – im Süden den Grimming, im Norden das Tote Gebirge (grösster mitteleuropäischer Hochkarst), im Westen das Dachsteinmassiv und im Osten die Berge des Gesäuses.

Die Seen des Salzkammerguts waren wunderbar und ich hätte noch stundenlang in der Gegend rumkurven können. Schlussendlich auch der Gerlospass und die Gerlos Panoramastrasse – einfach traumhaft und so konnte ich meine freien Tage – auch wenn es nur einer pro Woche war – absolut in meinem Sinne gestalten und geniessen.

Angemerkt muss werden, dass all diese Panoramastrassen mautpflichtig sind. Ich begrüsse dies absolut. So wird der Verkehr eingeschränkt, man steigt um auf die ÖV resp. die Gebirgsbahnen vor Ort und die Gemeinden erwirtschaften einen guten Betrag für den Unterhalt der Strassen etc. Von mir aus könnte man in der Schweiz bei jedem Pass eine Maut verlangen… ich weiss, mit dieser Aussage mache ich mir jetzt nicht nur Freunde.

Meine Chefs sind sehr nett und jung. Gerade mal Anfang 30ig. Alle Achtung: die Verantwortung und Arbeit für so einen Betrieb – auf 1800 Meter üM – zu übernehmen und dann sind da auch noch 3 Kinder. Das jüngste Mädel ist gerade mal 5 Monat alt und – Überraschung – wurde am 29.4. geboren. Das alleine spricht für sich.

Ich habe hier so quasi Familienanschluss. Wenn die älteste der Kinder Zieharmonika auf der Steirischen übt, dann findet dies im Restaurant statt. Und wenn die mittlere – eine kleine Pippi Langstrumpf – feststellt, dass sie sich die Welt eben nicht immer so machen kann, wie sie ihr gefällt und deshalb einen Tobsuchtsanfall bekommt, dann findet auch dies im Lokal statt.

Beim Abendessen tummeln sich bis zu 10 Personen am Tisch. Die Familie zu fünft, zwei Nepalesen die in der Küche arbeiten, je nach dem einheimische Frauen, welche die Gästezimmer geputzt haben und meine Wenigkeit. Der Chef kocht und das macht er sehr gut. Alles wird frisch gekocht und fast ausschliesslich mit regionalen Produkten.

Und Silvia macht das, was gerade ansteht: mehrheitlich bin ich im Service. Die Terrasse ist mit 84 Plätzen (in der Nebfensaison – in der Hauptsaison waren es noch 36 Plätze mehr) gross. In der Gaststube sind’s auch nochmals 100 Plätze und dann sind noch diverse Stüberl vorhanden, die jedoch erst im Winter in Betrieb sein werden. Dann ist auch noch die Schank zu bedienen und alle Eisspeisen werden ebenfalls vom Service zubereitet. Das kann ganz schön viel sein…. Aber jeder hilft jedem und auch die Chefs sind voll im Betrieb involviert. Ich war aber auch schon in der Küche und habe 60 Liter Gulaschsuppe gekocht und zig Kilo Spätzle durchs Sieb gestrichen. wenn personell gerade Notstand herrscht, dann habe ich auch schon Gästezimmer geputzt. Und wenn die Kleinste gerade keine Lust auf Liegen im Kinderwagen hat und Mama anderweitig beschäftigt ist, dann habe ich auch schon ein Bier gezapft und gleichzeitig die Kleine irgendwie unter dem Arm jongliert – sie findet das witzig – Hauptsache, sie kann dabei sein.

Morgens und abends, auf dem Weg von oder zum Stall konnte sich auch schon mal eine Kuh in unseren Garten verirren. Die wurden ebenfalls von der Casanova verscheucht. Der aggressive Geissbock, der schon den Weg bis ins Haus rein geschafft hatte, den habe ich gerne unserem Chef überlassen. Die Chefin und ich waren dann mit der Geruchsbeseitigung beschäftigt. Die Tage sind lang, und es ist streng, die Stimmung und der Zusammenhalt sind gut, ich fühle mich wohl, es gefällt mir sehr – es war genau die richtige Entscheidung.

Ein Highlight waren ganz klar alle Besucher, die wegen mir den Weg in den Latschenhof auf sich genommen hatten. Über jeden einzelnen habe ich mich sehr gefreut. Ein bekanntes und liebgewonnenes Gesicht zu sehen tut einfach gut. Danke, dass ihr da gewesen seid.

Und dann sind da ja auch noch die Gäste – ein wesentlicher Bestandteil: das ist manchmal oft unglaublich, welche Einstellung die Leute heutzutage haben. Wie die Tische teilweise zurückgelassen werden, das macht mich des Öfteren fassungslos. Ich würde so eine Sauerei nicht hinbekommen, wenn ich einen ganzen Tag hier sitzen würde. Dass die Eltern auf ihre Kinder achten sollten, wird oft und gerne auch vergessen. Dann schreitet die Casanova jedoch ein und findet auch mal deutliche Worte. Und dass es auf 1800 Meter über Meer die Milch von der Kuh gibt, die auf der Weide vor dem Hause logiert und keine Mandelmilch oder andere Milchersatzprodukte, dürfte klar sein. Glutenfreies Bier haben wir auch nicht, vegan wird auch nicht gekocht, für den Tee werden Teebeutel verwendet und keine frische Teemischung, und nein, wir können nicht noch rasch in den nächsten Laden rennen und Äpfel kaufen, weil jemand lieber Apfelmuss statt Zwetschgenröster zum Kaiserschmarrn möchte und tausend andere Extrawünsche können auch nicht einfach so erfüllt werden…. Verstehen tun dies längst nicht alle. Aber immer schön nett bleiben.. auch wenn’s innerlich brodelt.

Aber zum Glück gibt’s natürlich auch noch die Gattung Gast, die sehr nett und angenehm ist. So gleicht sich alles wieder aus…. meistens jedenfalls.

Die Österreicher trinken alles gespritzt: die Apfelschorle und den gespritzten Weisswein sind auch bei uns bekannt. Aber von der Marille, Johannisbeere, Erdbeere, Apfel, Buttermilch, alle möglichen Liköre… es wird alles gespritzt entweder mit Soda oder Leitungswasser, auf 0.5 lt. oder 0.25 lt. Und das Bier wird mit Cola oder Sprite verdünnt, und was ein Sommerspritz resp. ein Kaiserspritz musste ich auch zuerst lernen. Von der österreichischen Kaffeekultur ganz zu schweigen: ein grosser oder kleiner Brauner, ein grosser oder kleiner Schwarzer, einen Verlängerten usw….. ach du meine Güte… zu Beginn brummte mir ganz schön der Schädel… zum Glück hatte ich wenigstens das elektronische Bestellgerät schnell im Griff…. Meine grauen Hirnzellen wurden wieder einmal so richtig gebraucht und mussten auf Hochtouren arbeiten.

Ich bin gespannt, was mich im Winter erwarten wird. Rund 80% des Jahresumsatzes werden im Winter erwirtschaftet. Wir werden im Service 6 Leute sein, statt wie bisher nur meine Wenigkeit. Die Schirmbar als Apres-Ski-Hotspot wird ihren Teil für eine gelungene Saison ebenfalls beitragen. Die Terrasse wird doppelt so gross sein wie aktuell. Das Küchenteam wird aus 5 Personen bestehen und nicht nur der Chef alleine am Herd. Und die jünste vom Latschenhof wird dann in Krabbel- und ich will selber laufen-Laune sein…. Das kann ja heiter werden.

Nun geht’s jedoch zuerst in den Tuxerhof – meine «Balsam für die Seele» Oase und danach in die Schweiz zu meinen Herzensmenschen. Die Saisoneröffnung ist – vorausgesetzt temperaturtechnisch ist Beschneiung möglich resp. genügend weisse Pracht vom Himmel vorhanden – am letzten Novemberwochenende und das Saisonende ist für den 4.4.27 vorgesehen.

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